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Musik

Während sich Astronomen und Physiker noch um eine definitive Antwort auf die Frage bemühen, ob das Universum unendlich oder doch endlich ist, haben Internetuser den unumstößlichen, empirisch untermauerten Beweis für die unbegrenzte Einfältigkeit mancher, vieler Kommentatoren permanent auf ihren Bildschirmen. Täglich begegnet man geisttötenden Ergüssen, angeheftet an beliebige Beiträge und Postings. Zum Beispiel der Artikel „Bachelor-Lena: Auch Tuchfühlung mit dem Wendler!“:

Walter Schaller · Coburg (district)
Der ist einfach nur scheiße!!!!!!!!!!!!!!!!
Lara Langhammer
da hast du recht
Hannelore Skeide
Aber andererseits hat er alles richtig gemacht, der Fatzke, er wollte in aller Munde sein und das ist er jetzt ;-(
Barby Winter · Hauptschule
das stimmt
Jessica Hartmann
Ich Finds gut
Tina Houillon · Angestellte bei Rewe bei REWE Group
Mir gefällt das Lied…ob ich will oder nicht…..höre gerne solche deutsche Lieder :-)
Sanni Sanni · Person, welche die meisten Kommentare hinterlassen hat · August-Bebel-Schule
das klingt wie ,wie sing sonja und daniel,sie…na liebt denn ? also scheise wie jeden seiner lieder!
Ute Christner · Person, welche die meisten Kommentare hinterlassen hat
TUT UNS DA JA NICHT AN::: SONST VERMEIDE ICH DIESEN SENDER:::
Bente Petersen · Flensburg
der ist aus denn 70 Jahren übriggeblieben

Wohl wissend, dass es keinen Deut vernünftiger ist, seinen Senf dazuzugeben, es muss einmal heraus:

@ Walter Schaller: Eben so, wie Sie – liegt es einem auf der Zunge.
@ Lara Langhammer: Wen, bitte schön, interessiert das?
@ Hannelore Skeide: Leider auch in Ihrem.
@ Barby Winter: Besser erstmal die Schule abschließen.
@ Jessica Hartmann: Sehr mutig.
@ Tina Houillon: Nicht mehr ganz so mutig.
@ Sanni Sanni: Welche Sprache ist das?
@ Ute Christner: Egal, gibts eben nur noch RTL II.
@ Bente Petersen: Denn ists ja auch gut.

Man möchte den Kommentatoren mit auf den Weg geben: Suchen Sie sich eine gescheite Beschäftigung. Sie werden sehen, der Aufstieg aus der Kloake dummer Kommentare hat einiges für sich. Zumindest lässt er Sie nicht als völlig Vertrottelte und einsam Verzweifelnde versacken. Und überhaupt ist das Leben viel zu kurz.

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Vergangenen Montagmorgen ist Claudio Abbado gestorben. Der Dirigent hatte 1989 die Nachfolge Herbert von Karajans bei den Berliner Philharmonikern angetreten. Sein Schaffen wird die Erinnerung an diesen großen Künstler bewahren. Statt eines Nachrufs mag Beethovens 5. Symphonie erklingen, die die Berliner Philharmoniker unter der Leitung Abbados 2001 in der Accademia Nazionale di Santa Cecilia, Rom, aufführten:

http://www.youtube.com/watch?v=lQq_N06LYec

Heute mal ein Thema, das uns alle umtreibt: satanischer Speedmetal. – Okay, trifft vielleicht nicht jeden Geschmack. Einen Anlass gibt es aber trotzdem, denn rechtzeitig zum Weihnachtsfest ist das Album „In the Minds of Evil“ der Band „Deicide“ erschienen. Nun also das elfte Studioalbum. Und? Sind die Jungs ruhiger geworden? Nicht wirklich. An dem unverkennbaren Sound wurde aber schon gefeilt. Das Album erhielt eine besondere Note, die allem voran der Gesangstechnik Glen Bentons geschuldet ist. Nicht nur, dass Texte über weite Strecken ungewöhnlich deutlich artikuliert werden, Benton färbt seine Stimme auf diesem Album auch in helleren Nuancen – stellenweise kreischt er sich zum Prototyp des Thrash Metals. Die Arrangements der Songs sind strukturierter, ganz im Gegensatz zu den anarchischen Kompositionen des frühen Legion-Albums. Natürlich ist „In the Minds of Evil“ technisch perfekt umgesetzt. Nach dem Wechsel der Band vom Roadrunner- zum Earache-Label und dem Fortgang der Hoffman-Brüder mangelt es der aktuelle Formation nicht an musikalischen Fähigkeiten auf höchstem Niveau. Deicide hat noch lange nicht ausgespielt. So ist das neue Werk gespickt mit Raffinessen. Zum Beispiel werden die Tonhöhenveränderungen des im zehnten Track hingelegten Gitarrensolos allein durch das Tremolo erzeugt. Dazu drescht Drummer Steve Asheim geniale Breaks. Auch wenn die Platte einige konstruiert wirkende Passagen einschließt, ist sie ein echter Höllentrip. Und als Weihnachtsgeschenk mit Sicherheit der Brüller. Ach ja, wer der Kombo seit den frühen Neunzigern anhängt und die Textinhalte kennt, wird mit dem musikalischen Genuss nicht den Drang verspüren, auf ewig im Reich des Teufels zu brennen. Auf der anderen Seite transportieren die Texte nicht bloß ein Image brachialer Metalkönige. Sie gehören einfach zu dieser Musik, eben so, wie das Sujet der unbeschwerten Liebe klanglich in Liedern der Helene Fischer zum Ausdruck kommt, Punkrock anti ist oder … Naja, ist auch egal. Gott weiß, der Sound rockt.

Ich kann es nicht glauben. Dass unsere Jugend sich von dem talentfreien Sprechgesang der Pandamaske „Cro“ hinreißen lässt und dessen passförmig getextete Schnulze „Whatever“ an die Chartspitze hievt. Nein! Das kann ich nicht glauben. Media Control ist hier sicher ein gravierender Fehler bei der Ermittlung der Singleverkäufe unterlaufen. Oder die Musikindustrie hat sich im letzten Gefecht um ihre Existenz gegen die Menschheit verschworen, um klar vor Ohren zu führen: „Hört her, so wird es immer weiter quieken, wenn ihr uns nicht wertschätzt.“ Oder es sind eben doch Aliens im Spiel. Eine andere Erklärung kann es für den Wahnsinn nicht geben. Als ich in der vergangenen Woche mal wieder die TV-Sender durchgeschaltet habe, brachte ein Moderator auf einem der öffentlich-rechtlichen die Ansage: „Und nun Deutschlands Nummer-eins-Hit.“ Da wollte es mir einfach nicht gelingen abzuschalten. Eben so, wie man es von grausamen Unfallbildern her kennt, die man sich nicht anschauen, bei denen man aber auch nicht wegsehen kann. Wer, bitte schön, hört sich so etwas an. Marktkonformes Geträller, Zeile für Zeile, nicht nur an jenen Stellen, die offenbar durch „Nike“, „Jim“, „WhatsApp“ und „Beck’s“ gesponsert werden. Das Leben aus Suff, Party und „Chicks“, welches Cro völlig klanglos vorgaukelt, ist durchschaubar wie chinesische Glasnudelsuppe. Das lässt sich auch nicht durch Hanfblatt gemusterte Socken in dem Video oder durch das umgedrehte Kreuz auf Cros Maske verklären. Wo ist nur die revolutionäre Kraft vergangener Generationen geblieben, mit der gegen Eltern, gegen die Gesellschaft, gegen die ganze Welt aufbegehrt wurde? Eine Kraft, die in der Erfindung bahnbrechender Musiken ihren Ausdruck gefunden hat, mit Liedern, die dem Hörer die Grenzen der Musik erahnen ließen und übrigens immer wieder auch den Weg in die oberen Verkaufsplatzierungen gefunden haben. Tja, vorbei die phantastischen Zeiten der großen Kunst – einstweilen. Denn ein Hoffnungsschimmer tut sich auf: In dieser Woche fällt „Whatever“ auf Platz drei. Vielleicht geht es für die Jugend irgendwann doch wieder bergauf.

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