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Ich kann es nicht glauben. Dass unsere Jugend sich von dem talentfreien Sprechgesang der Pandamaske „Cro“ hinreißen lässt und dessen passförmig getextete Schnulze „Whatever“ an die Chartspitze hievt. Nein! Das kann ich nicht glauben. Media Control ist hier sicher ein gravierender Fehler bei der Ermittlung der Singleverkäufe unterlaufen. Oder die Musikindustrie hat sich im letzten Gefecht um ihre Existenz gegen die Menschheit verschworen, um klar vor Ohren zu führen: „Hört her, so wird es immer weiter quieken, wenn ihr uns nicht wertschätzt.“ Oder es sind eben doch Aliens im Spiel. Eine andere Erklärung kann es für den Wahnsinn nicht geben. Als ich in der vergangenen Woche mal wieder die TV-Sender durchgeschaltet habe, brachte ein Moderator auf einem der öffentlich-rechtlichen die Ansage: „Und nun Deutschlands Nummer-eins-Hit.“ Da wollte es mir einfach nicht gelingen abzuschalten. Eben so, wie man es von grausamen Unfallbildern her kennt, die man sich nicht anschauen, bei denen man aber auch nicht wegsehen kann. Wer, bitte schön, hört sich so etwas an. Marktkonformes Geträller, Zeile für Zeile, nicht nur an jenen Stellen, die offenbar durch „Nike“, „Jim“, „WhatsApp“ und „Beck’s“ gesponsert werden. Das Leben aus Suff, Party und „Chicks“, welches Cro völlig klanglos vorgaukelt, ist durchschaubar wie chinesische Glasnudelsuppe. Das lässt sich auch nicht durch Hanfblatt gemusterte Socken in dem Video oder durch das umgedrehte Kreuz auf Cros Maske verklären. Wo ist nur die revolutionäre Kraft vergangener Generationen geblieben, mit der gegen Eltern, gegen die Gesellschaft, gegen die ganze Welt aufbegehrt wurde? Eine Kraft, die in der Erfindung bahnbrechender Musiken ihren Ausdruck gefunden hat, mit Liedern, die dem Hörer die Grenzen der Musik erahnen ließen und übrigens immer wieder auch den Weg in die oberen Verkaufsplatzierungen gefunden haben. Tja, vorbei die phantastischen Zeiten der großen Kunst – einstweilen. Denn ein Hoffnungsschimmer tut sich auf: In dieser Woche fällt „Whatever“ auf Platz drei. Vielleicht geht es für die Jugend irgendwann doch wieder bergauf.

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