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Na, das hat ja wieder einmal für Furore gesorgt: Femen-Aktivistinnen störten gestern die gemeinsame Ehrenrunde von Angela Merkel und Wladimir Putin auf der Hannover Messe und stürmten mit entkleideten Brüsten auf den russischen Präsidenten zu. Was soll man davon halten? Handelt es sich um eine neue Ausdrucksform des Feminismus? Oder konterkariert Femen diesen geradezu? Einschätzungen darüber gibt es viele. Zum Beispiel: „Während die meisten Feministinnen auf ihr Gehirn setzen, fokussiert sich Femen nur auf die Zurschaustellung weiblicher Geschlechtsteile und macht aus der Frau ein weiteres Mal nur ein Objekt der sexuellen Begierde.“ Ob die unverhüllten Körper sexuelle Begierden wecken, kann man bezweifeln. An die Stelle einer kessen „Zurschaustellung“ weiblicher Reize tritt vielmehr blanke Aggression. Darin liegt ja der Clou: die sexuelle Attraktivität des eigenen Körpers austreiben, indem er mit Schlachtrufen bemalt und kämpferisch eingesetzt wird. Diese Protestform ist nicht neu, ihre radikale Ausprägung zeichnet Femen aber aus. Aktionen wie jene auf der Hannover Messe stellen in Aussicht, dass die Unterdrückung und die Misshandlung von Frauen aller Erdteile stärker ins Bewusstsein rücken. Unkritisch sollte man der international populären Gruppe jedoch nicht begegnen. Der eben zitierte Beitrag macht nämlich auch deutlich, dass zum Teil ehrrührige, verletzende Aktionen durchgeführt werden. Erst vor wenigen Tagen erfolgte ein entblößter Auftritt vor einer Berliner Moschee der Ahmadiyya-Gemeinde. Diese Aktion wurde durch das Verschwinden der tunesischen Femen-Anhängerin Amina Tyler motiviert und richtete sich gegen den Islamismus. Zielscheibe wurden dann aber Mitglieder einer Gemeinschaft, die sich einzig aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit unter Generalverdacht gestellt sahen. Nicht verwunderlich, dass sich Widerstand regt. Inzwischen haben sich mit MuslimaPride junge Musliminnen zusammengefunden, um ihre Ablehnung gegenüber Femens Methoden kundzutun. Und wieder stehen Frauen in erster Reihe – letztlich für dieselbe Sache.

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